Der Streik, die Seuche und Ver.di
von: am 26.12.2006, 10:41 Uhr in Nebenbei bemerkt
Heute ist im Spiegel Online zu lesen. “Streiks erhöhen Seuchenrisiko”. Die Überschrift hat mich zu dem Gedankespiel animiert daraus “Der Streik ist eine Seuche” zu machen. So empfinde ich es, und ich kenne keinen einzigen Menschen, der auch nur die geringste Akzeptanz für die Ver.di-Forderungen aufbringt. Ganz im Gegenteil. Ich bin wahrlich kein Freund von Gewerkschaften, aber diesmal mußte ich schon das Streikrecht verteidigen, so gering ist die Symphatie für die Aktionen des öffentlichen Dienstes.
“Ich würde auch 18 Minuten in der Stunde mehr arbeiten, hätte ich endlich wieder eine Arbeit” sei ein 55jähriger zitiert, der mir sein Unverständnis über die Streikenden anvertraute. Die deftigeren Worte, die dazu fielen lasse ich hier unerwähnt. Wer wegen 18 Minuten Mehrarbeit (wenn es in den Amtstuben so etwas überhaupt gibt) streikt, zeigt auf fatale Weise seinen Realitätsverlust und seine Ignoranz gegenüber Arbeitslosen auf. Es würde mich nicht verwundern, wenn Ver.di sich mit diesem Gebahren endgültig ins Abseits streikt.


Es ist unglaublich, was momentan passiert. Die Uniklinik Düsseldorf operiert zur Zeit z.B. keine Tumor Patienten (laut Rheinische Post heute morgen). Diese Patienten können doch über 18 Minuten nur “lachen”, bei Ihnen steht Ihr Leben auf dem Spiel. Wie kann eine Gewerkschaft so etwas verantworten?
Antworten
Ohne die Streiks würde die Arbeitszeiterhöhung einfach eingeführt, ohne eine Gegenleistung, die inzwischen auch nicht mehr undenkbar ist. Das Argument der sicheren Stellen zieht auch nicht mehr, so dass die Angestellten zu recht für ihre Arbeit kämpfen. Weil jeder den öffentlichen Dienst finanziert und dessen Arbeit nutzt, ist die Aufregung über einen Streik bzw. Tarifforderungen größer als in der Privatwirtschaft.
Bei den Streiks in den Unikliniken geht es aber nicht um die Arbeitszeiterhöhung, sondern um imo faire Arbeitsbedingungen.
Antworten
Warum muß es für die 18 Minuten Anwesensheitszeiterhöhung am Tag eine Gegenleistung geben? Wir sind uns doch sicher einig, daß nur Mehrarbeit auch und gerade im nicht-produktiven öffentlichen Dienst unser Land wieder zu mehr Wohlstand durch Wachstun führt. Es wäre ein Beitrag der Angestellten im öffentlichen Dienst, um ihre Arbeisplätze zu sichern. Sollten sich die Vorstellungen von Ver.di auch nur ansatzweise durchsetzen, wird aufgrund sich verteuernder Arbeit der Arbeitsplatzabbau beschleunigt fortsetzen, indem private Unternehmen diese Aufgaben warnehmen. Sie wissen doch, nur die allerdümsten Kälber…
Antworten