Apropos Radeberg oder das Bier aus der Oper
von: am 02.01.2007, 9:36 Uhr in Nebenbei bemerkt
Als ich eben im Zusammenhang mit meinem Eintrag über die Lokaredaktion Radeberg auf der offiziellen Homepage der Stadt Radeberg war, konnte ich dort folgendes lesen: “Radeberg – Biermetropole Sachsens”.
Der Hinweis auf der Homepage ist wichtig: denken doch viele Freunde des sächsischen Gerstensaftes, daß das Bier direkt in der Semperoper zu Dresden gebraut wird. Das ist mitnichten so, und das würde auch die Pressestelle der Radeberger Brauerei ohne langes Zögern bestätigen: Radeberger Bier kommt ausschließlich aus Radeberg mit Adresse Exportbierberauerei, Dresdner Straße 2.
Wechselt man freilich auf die offizielle Homepage der Exportbierbrauerei kann man da schon wieder seine Zweifel haben. Heißt es dort doch unter anderem:
“Ein besonderes Verhältnis verbindet die Radeberger Exportbierbrauerei mit der Semperoper Dresden. Die Kooperation der beiden Häuser besteht seit 1992 und der Umfang der gemeinsamen Projekte wächst stetig.”
Ist am Ende die Radeberger Adresse, die Stadt liegt ungefähr 20 Kilometer nordöstlich von Dresden, nur ein Briefkastenadresse? Wird in Wahrheit das leckere Bier in den Kellergewölben der Semperoper hergestellt? Und schmeckt ein Radeberger nur deswegen so besonders, weil es zu Klängen von Mozart und Vivaldi gebraut wird? Fragen über Fragen, die ernsthaft in Zweifel ziehen können, ob das Radeberger Bier nicht eigentlich Semperoper-Premiere Semperoper-Premium heißen müßte?
Und dann noch das: Besichtigungs-Besucher der wunderschönen Oper im Herzen der Dresdner Altstadt konnten neulich beobachten, daß Kästen mit Radberger Bier aus dem Keller geholt wurden. Ein weiteres Indiz für den Verdacht, die Semperoper sei der wahre Brauereistandort!
Am Ende, so meine Vermutung, sind gar die Rollen vertauscht: In der Semperoper wird gebraut und in in Radeberg Oper gespielt. Auch dafür findet man einen Hinweis auf der offiziellen Homepage der Exportbierbrauerei: das Radeberger Biertheater im Kaiserhof zu Radeberg. Wo also wird nun gebraut und wo wird Theater gespielt?
Würde ich nicht den Braumeister der Exportbierbrauerei persönlich kennen und schätzen, könnte ich tatsächlich meine Zweifel zumindest in Zeiten des Karnevals haben. Doch in Wahrheit dient die Semperoper dem ehemaligen Königlich-Sächsischen Hoflieferanten lediglich als Werbekulisse. Wenn man als Opernbesucher auf ein Radeberger Bier in einer Aufführungspause trifft, dann nur, weil das seit 1872 gebraute Bier dort neben Sekt und Selters zum Getränkeangebot gehört. Damit ist auch geklärt, warum der ein oder andere Besucher mal einen Kasten Radeberger gesehen hat. Und so stimmt es denn auch, daß die offizielle Homepage der Stadt Radeberg damit wirbt: “Radeberg – Biermetropole Sachsens”.

