Hände hoch – oder ich blogge!!!
von: Kirstin Walther am 21.02.2007, 13:13 Uhr in Weblog

Bild: pixelquelle
Nachdem ich gestern abend das, das und das gelesen hatte, mußte ich darüber nachdenken, ob Blogger eine Spezies sind, die man als bloggendes Unternehmen unbedingt fürchten sollte. Scheinbar ist es das einzige Argument was Unternehmen vom Bloggen abhält oder abhalten soll. Man befürchtet wohl, daß Unternehmen die (1.) Fehler machen, oder (2.) unlauter am Markt unterwegs sind (vielleicht aber auch einfach nur agieren), von Bloggern zerrissen werden und man die Kontrolle darüber verliert, was über das Unternehmen in der Öffentlichkeit verbreitet wird.
Im ersten Fall glaube ich das nicht, weil jeder “normale” Mensch weiß, daß jeder Fehler macht und außerdem gibt es immer und überall Leute, die nichts lieber tun, als sich grundlos über Produkte und Menschen den Mund zu zerreißen. Im zweiten Fall finde ich es gar nicht so verkehrt, weil es meiner Meinung nach eher gut ist, wenn Dinge aufgedeckt werden, die den Verbraucher hinters Licht führen SOLLEN. Aber das ist ein Umstand, der sich auch im realen Leben ereignen würde, durch Mundpropaganda halt, mit dem Unterschied, daß es sich durch Blogger schneller verbreiten würde.
Ebenfalls werden Blogs vielleicht sogar etwas überschätzt, was ihre Öffentlichkeitswirkung angeht. Denn ein Blog, welches “schlimme” Nachrichten verbreitet, muß ja auch erstmal gefunden bzw. gelesen werden.
In der Absatzwirtschaft erschienen mal zwei sehr interessante Artikel zu diesem Thema unter der Rubrik “Briefe aus Amerika”. Sozusagen Pro und Contra:
Wehe, wenn die Wut der Kunden außer Kontrolle gerät
Gute Weblogs bringen gute Umsätze und machen Marken menschlicher
Was meint Ihr dazu? Ist es wirklich ein Entscheidungskriterium für ein Unternehmen, wie Blogger sich verhalten könnten, wenn über die Einführung eines Unternehmensweblogs nachgedacht wird?
Das erinnert mich sehr an die in Deutschland weit verbreitete Ängstlichkeit nach dem Motto: Achtung, Kunde droht mit Auftrag! Oder auch die Aussage, wir verkaufen trotz Marketing, wobei ich der Chef des Marketing war.
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Vielleicht ist es auch die Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, warum manche Unternehmensblogs keine Kommentare freigeschaltet haben oder stark zensieren. Ich habe gemerkt, dass wenn der Unternehmer aufrichtig zu seinen Kunden ist, dass dann Fehler auch mal hingenommen werden, weil sie – wie du oben schon geschrieben hast – einfach passieren.
Bei euch ist m.E. diese Aufrichtigkeit da, eure Beiträge wirken auf mich weniger wie Werbung, obwohl ich weiß, dass ihr natürlich was verdienen wollt. Aber gerade diese Ehrlichkeit ist es, die meiner Meinung nach die Kunden hält bzw. neue überzeugt, das Produkt auch mal zu probieren. Und ich denke schon – ich weiß es natürlich nicht – dass dieses Blog geholfen hat, euren Umsatz zu erhöhen. Und das gönne ich euch auch.
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Tja, ich waere vermutlich nie auf die Saftboxen gestossen, wenn ich nicht – tja ueber das Taxiblog glaube ich, zu Euch gefunden haette.
Was fuer einen Firmenblog unglaublich wichtig ist, ist die Authentizitaet.
Ein Firmenblog das eher einem Newsletter gleicht ist eben kein Blog. Mich interessiert nicht, ob ein neues Produkt erschienen ist oder ein neuer Kunde geworben wurde.
Wenn Ihr ueber einen neuen Saft berichtet, merkt man, dass Ihr stolz darauf seid. Das ganze ist dann eben nicht eine Tickermeldung wie “Jetzt auch Produkt XY erhaeltlich”. Es ist schoen zu sehen, wie die Packung dazu entsteht und was auch fuer Probleme auftauchen, usw.
Ich denke, das ist ein Grund dafuer, warum Shopblogger, Saftblog, usw. so beliebt sind.
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Das erinnert mich an das Bewertungssystem von ebay … die Angst vor einer schlechten Bewertung läßt so manche Firma zittern … aber würde sich deshalb eine Firma gegen den Verkauf bei ebay entscheiden ??
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am Anfang war das ein Diskussionspunkt bei uns. Aber wir sind uns schnell einig geworden, dass wir hinsichtlich schlechter Kommentare eigentlich nichts zu fürchten brauchen. Denn wir gehen mit konstruktiver Kritik eigentlich schon immer ganz selbstverständlich offen um.
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Ja, ganz sicher ist diese Angst ein wichtiger Grund, kein Corporate Blog zu führen. Den ich allerdings nicht nachvollziehen kann. Leichter als mit einem Blog kommt man an Kundenfeedback mit keiner MaFo heran.
Ich denke aber, dass es neben der Angst vor “unkontrollierbarer” Kritik noch ein weiteres wesentliches Argument von Unternehmen gegen ein eigenes Corporate Blog gibt: Den Zeitfaktor. Bloggen IST zeitintensiv. Was ich daran nicht verstehe: Jede noch so kleine Firma hat ein Marketingbudget. Hege und Pflege eines Blogs müssen in diesem Budget einfach nur ihren Platz finden.
Aber das ist für mich alles nur eine Frage von wenigen Jahren. Die Companies werden merken, dass sie um ein Blog nicht mehr herumkommen werden, wenn sie überhaupt Online-Marketing betreiben wollen.
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Klar stellt die Angst vor Kritik eine Hemmschwelle dar, ein Firmenblog einzurichten. Aber dies sind sowieso die Firmen, die nicht mit Kritik umgehen können, oder noch nicht begriffen haben, dass Kritik eine riesen Chance darstellt. Nur bei geäußertem Unmut habe ich doch die Chance zu reagieren. Was doch zählt ist Handlungsfähigkeit. Ein enttäuschter Kunde, von dem ich nicht weiß, ist vermutlich ein verlorener Kunde. Und mehr: er erzählt es ja noch weiter… (seit Jahren geistern ja die Zahlen herum – 1 enttäschter Kunde äußert sich 10 anderen Personen gegenüber – ein zufriedener Kunde vielleicht 2-3 Personen…)
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