“Fruchtsaft so gut wie frisches Obst”
von: Kirstin Walther am 30.05.2007, 17:58 Uhr in Säfte und Nektare

Diese Meldung aus der Ärztezeitschrift “Phoenix” machte vergangene Woche die Runde in der Presselandschaft. Zum Beispiel hier.
In Fruchtsaft stecken kaum weniger Nährstoffe als in Obst und Gemüse. Wer nur wenig Obst und Gemüse isst und es in der Regel nicht auf die empfohlenen 600 Gramm davon pro Tag bringt, sollte deshalb regelmäßig Fruchtsaft trinken.
Ein 0,2-Liter-Glas enthält im Schnitt 300 Milligramm Kalium – 10 bis 15 Prozent der empfohlenen täglichen Menge. Darauf weist die Ärztezeitschrift «Phoenix» hin. Außerdem sind Apfelsaft und Co. gute Lieferanten für Magnesium und Kalzium sowie für Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Nur bei den Ballaststoffen hinkt Fruchtsaft dem Obst und Gemüse hinterher.
Beim Kauf sollte aber darauf geachtet werden, dass es sich tatsächlich um Fruchtsaft und nicht um Fruchtnektar oder Fruchtsaftgetränke handelt. Denn bei diesen liegt der Fruchtgehalt in aller Regel weit unter den bei Fruchtsaft vorgeschriebenen 100 Prozent.
Klingt toll, oder? Und gut für uns. Allerdings können wir dem nicht ganz zustimmen. Ausnahme: Frisch gespresst und sofort getrunken. Aber wer macht sich diese Arbeit schon. Da ist es vermutlich einfacher, das Obst gleich zu essen.
Bei der industriellen Saftherstellung gehen nämlich schon einige Vitamine verloren. Zum Beispiel beim Pasteurisieren. Ein recht empfindliches Vitamin ist Vitamin C – nicht hitzebeständig. Da geht viel verloren. Übliche Praxis ist, daß so viel Vitamin C zusätzlich zugesetzt wird, daß nach Erhitzung wieder so viel drin ist, wie die entsprechende Frucht ursprünglich hatte. Die Frage ist nur, woraus dieses zugesetzte Vitamin besteht, bzw. ob es überhaupt natürlichen Ursprungs ist. Vitamin C wird ja auch Ascorbinsäure genannt und die wird, soweit ich weiß auch synthetisch hergestellt.
Das ist ein Grund, warum wir z.B. keine Extra-Vitamine zusetzen. Der Saft soll so natürlich bleiben, wie es eben möglich ist. Und klar ist: Es ist Saft und nicht das frische Obst. Es ist aber auch ein schwieriges Thema, denn manche Vitamine mögen auch kein Licht oder zu lange Lagerung. Da ist es fraglich, was so mancher Supermarkt-Apfel an Vitaminen noch enthält. Die kommen ja meist von weit her. Vermutlich ist es dann besser, man pflückt sich im Herbst einen reifen Apfel von einem Straßenbaum und den Rest des Jahres trinkt man Saft, damit man wenigstens in den Genuß der Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe kommt. Möglichst einen Direktsaft, denn der aus Konzentrat hergestellte Saft, verliert während des Produktionsprozesses natürlich noch viel mehr an Inhaltsstoffen, oder besser ausgedrückt, gehen sie durch den zusätzlichen Konzentrierungsprozess verloren.
Außerdem sollte man naturtrübe den geklärten Säften vorziehen. Durch den Klärprozess gehen zum Beispiel die Polyphenole verloren. Das ist ziemlich interessant: Bis vor kurzem waren Polyphenole in Säften eine eher unerwünschte Erscheinung, weil sie den Saft farblich verändern können, für Nachtrübungen und Ausfällungen verantwortlich gemacht wurden. Bis auf die Russen, die haben sich schon in den 70ern für Technologien ausgesprochen, die einen möglichst vollständigen Erhalt dieser Stoffe möglich machen. In Europa kommen wir erst jetzt dahinter, wie wertvoll manche Inhaltsstoffe im Obst sind. Aber manchmal geht es eben auch bei Fruchtsäften um mehr Schein als Sein.
Falls jemand mehr zum Thema Fruchtsaftklärung wissen möchte, bitte eine Email an mich schicken.


Auch wenns komisch klingt: Mir schmeckt der naturtrübe Saft einfach besser als der klare Apfelsaft.
Ob Placebo oder nicht… mein “Bauchgehirn” scheint also recht zu haben
)
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Ja, der Meinung bin ich auch. Ist ja auch irgendwie logisch – weil näher am Originalobst. Beim Klären nimmt man ja schließlich was weg.
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Mit den Polyphenolen in den Säften verhält es sich ähnlich wie mit den Ballaststoffen. Letztere wurden auch jahrelang verschmäht (eben als “Ballast”). Nun sind sie wieder “en vogue” und werden z.B. auf Cornflakes massiv beworben.
Einfach naturbelassen ist eben am besten (vor allem in Punkto Geschmack) und setzt sich langfristig ganz sicher durch.
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