Vegane Fruchtsäfte / Koschere Fruchtsäfte

von: Kirstin Walther am 15.01.2008, 15:36 Uhr in Säfte und Nektare

In letzter Zeit bekomme ich vermehrt Emails von Kunden bzw. potentiellen Kunden, die sich vegan oder koscher ernähren wollen. Herr Oeffler hatte mich schon mal darauf hingewiesen, daß auch er auf diversen Wochenmärkten vermehrt naturtrübe Säfte an Leute verkauft, die sich koscher oder vegan ernähren wollen. Scheinbar herrscht auf diesem Gebiet etwas Informationsdefizit im Allgemeinen. Verbraucher, die sich ohne tierische Produkte ernähren wollen, wissen zumindest, daß zum Klären bzw. Filtrieren von Fruchtsäften Gelatine verwendet wird.

Gelatine wird aus Kollagen gewonnen. Das ist ein Protein von Knochen und Häuten von Tieren. Ich meine wohl, gelesen zu haben, daß es seit der BSE-Skandale vorwiegend aus Schweinen hergestellt wird. Klingt etwas unappetitlich…

Aber naturtrübe Säfte sind eh die bessere Wahl – sowohl geschmacklich, als auch unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten, wie das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) neulich in Bezug auf Apfelsaft mitteilte. Die darin beschriebenen Polyphenole verschwinden nämlich während des Klärungsprozesses.

Ich hatte das Thema hier im Zusammenhang mit der Health-Claims-Verordnung auch schon mal kurz angeschnitten, weil durch die Filtrierung von Säften wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen – hier auch noch. Wie zum Beispiel die Polyphenole. Das war sicher auch ein Grund, warum es schon immer Gegner gab, was die Filtrierung von Fruchtsäften angeht. Denn eigentlich hat das Filtrieren rein optische Gründe.

Bei uns war es früher so, daß die Kunden den klaren Apfelsaft vorzogen, weil er einfach schöner aussieht – also das war der Grundtenor. Wir haben dann oft eine Art Blindverkostung gemacht, um sie zu überzeugen. Und immer fanden sie den naturtrüben Apfelsaft besser. Ist ja auch irgendwie logisch, denn diese rausgefilterten Stoffe haben natürlich auch Geschmack (bis zu 15% Aromaverlust). Ich frage mich gerade, wer überhaupt auf die Idee kam, Säfte zu klären und warum, denn natürlich es ja ungeklärt – also der Saft läuft trüb aus der Presse. In einem Fachbuch, welches hier gerade vor mir liegt, steht, daß es wohl bei trüben Fruchtsäften immer wieder Probleme mit der “Trubstoffstabilisierung” gab und gibt. Klingt nachvollziehbar, denn wer hat das nicht schon gesehen, daß der Inhalt einer Saftflasche irgendwie zweischichtig zu sein scheint. Oben Wasser, unten Saft. Denn einen naturtrüben Saft herzustellen, der stabil bleibt und sich nicht so absetzt, ist wohl nicht so einfach. Soviel hat mir mein Bruder (Produktionsleiter) im Vorfeld schon mal verraten. Aber dazu später mehr.

Für alle, die es interessiert, habe ich weiter unten alle Produkte aufgelistet, die NICHT mit tierischen Erzeugnissen in Berührung kamen. Wie das Filtrieren genau funktioniert, erzähle ich noch im Laufe der Woche. Da unsere Kunden fast nur naturtrübe Säfte nachfragen, wird das nicht so häufig gemacht. Morgen ist es dann wieder soweit und ich werde einige Fotos machen.

Falls das Thema für einige Leser doch etwas “schocking” ist, von wegen Schweinskram tierischen Zusätzen in Säften… So viel vorab: Das Klären besteht aus mehreren Arbeitsschritten. Das eigentliche Filtrieren hat die Funktion die Gelatine zusammen mit den Trubstoffen, die sie gebunden hat, aus dem Saft wieder rauszuholen. Das heißt, sie ist nicht mehr drin. Wenn noch welche drin wäre, würde man das sehen. Das gibt dann so Schlieren. Der Saft ist dann nicht wirklich klar. Da mein Bruder das Klären scheinbar beherrscht, kann ich das NICHT anhand eines Fotos veranschaulichen. ;) Außerdem wäre die Gelatine kennzeichnungspflichtig in unserem überregulierten Land, wenn sie sich noch im Saft befände. Ganz sicher!

Folgende Säfte bzw. Nektare von Walthers entsprechen einer koscheren bzw. veganen Ernährungsweise:

- Apfelsaft natur
- Birnensaft natur
- Guten Morgen Saft
- Orangensaft
- Aronia-Nektar
- Aronia-Muttersaft





Kommentare

12 Kommentare
  1. Manuel 15. Januar 2008, 16:35

    Hmmm. Danke für die vielen Infos.

    Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es für die vegane Ernährung (übrigens eine Art der Ernährung die nur entweder in absoluter Armut oder in Überfluss-Ländern funktioniert – wenn ich an all die tollen Ersatzprodukte denke, die Veganer dann nehmen, um etwas Abwechslung im Speiseplan zu haben) doch egal wäre, weil die Gelatine nicht mehr drin ist?!

    Klar, sie wurde eingesetzt und die armen Tiere… aber wie heißt es doch: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

    Übrigens – dann auch keine Gummibärchen essen :-)

    PS: trotzdem irgendwie eklig, die Vorstellung… ich mag sowieso die naturtrüben Säfte lieber

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  2. Kirstin Walther 15. Januar 2008, 16:41

    Ich bin mir nicht so sicher, wie weit diese Ernährungsformen gehen. Vielleicht dürfen die Lebensmittel auch nicht in Berührung gekommen sein mit tierischen Erzeugnissen. Einer der Anfrager schrieb: “Leute, die aus rein gesundheitlichen Gründen Vegetarier sind, wird das Klären mit Gelatine wohl kaum stören.
    Wer aber aus ethischen und/oder ökologischen Gründen keine Tierhaltung möchte, kann natürlich auch keine Gelatine wollen…”

    Apropos Ersatzprodukte: Da muß ich dann schon manchmal schmunzeln, wenn ich im Reformhaus vor so einem Regal stehe. Würste ohne Wurst. Cheeseburger ohne Cheese und Burger (Fleisch). Geschnetzeltes ohne geschnetzeltem… Komisch irgendwie. Hatte ich auch schon mal in einem Filmchen drin.

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  3. Manuel 15. Januar 2008, 17:11

    Ja, das ist für die Leute, die Fleisch vermissen aber kein Fleisch mehr essen wollen :-)

    Übrigens: vegetarisch und vegan nicht durcheinander werfen. Während ersteres mit tierischen Produkten (Milch, Käse, Eier) noch ernährungsmäßig abwechslungsreich genug ist, um keine Mangelerscheinungen zu haben, wird es bei veganer Ernährung (keine tierischen Produkte) schon schwieriger…

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  4. Gast 15. Januar 2008, 18:03

    Na hoffentlich verirrt sich keine kleine Made vor dem Entsaften ins Obst.

    Sonst schwimmt am Ende noch ein Fettauge auf dem Apfelsaft und die Veganer bekommen Zustände wegen der Fleischeinlage.

    ;o)))

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  5. Michael Lalk 15. Januar 2008, 22:56

    Veganer sein, ist m.W. nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch ein Lebensstil. Ich kenne Veganer, die keine Lederschuhe tragen, keine Ledergürtel, nichts, was von Tieren stammt. Auch Eier werden verachtet. Ich will und mag diesen Lebensstil nicht krtitisieren, jeder soll nach seiner Facon selig werden, aber ich möchte keinen Lebensmitteleinkauf für einen Verganer tätigen.

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  6. Manuel 15. Januar 2008, 23:03

    @ Michael:

    In dem Zusammenhang sehr passend: (Blogbeitrag bei Ivyworld) Fred kauft ein: Eigentlich fast alles

    Viel Spaß ;-)

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  7. URS 16. Januar 2008, 12:01

    Keine tierischen Produkte?
    Jeder kann sich ja so Mangelernähren, wie er will, wenn er nicht später jammernd von der Krankenkasse Geld dafür haben möchte –
    aber haben diese Leute mal was von den Bienchen und den Blümchen gehört?
    Schließlich werden zur Herstellung des angebliche veganen Apfelsafts ja Bienen ausgebeutet.

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  8. URS 16. Januar 2008, 12:04

    @Manuel: Wie schaffst Du einen Blogbeitrag 11 Stunden in der Zukunft?
    Bei mir steht gerade “16.01.08 @ 23:03 Uhr” bei Deinem Eintrag…

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  9. Michael Lalk 16. Januar 2008, 12:46

    @Manuel:

    Sehr aufschlußreich!
    Danke!

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  10. Manuel 16. Januar 2008, 13:04

    @ URS – ich bin der Zeit halt voraus ;-)

    (nein – ich habe editieren lassen, weil ich keine direkte Verlinkung hatte, und da ging wohl was schief beim Zeitstempel)

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  11. Dshamilja 17. Januar 2008, 16:07

    Danke für die Saftliste!

    So schwer ist das mit einem veganen Lebensstil übrigens gar nicht ;o)

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  12. agnes007 29. Oktober 2008, 11:02

    “Jeder kann sich ja so Mangelernähren, wie er will, wenn er nicht später jammernd von der Krankenkasse Geld dafür haben möchte”

    Jede Wette, dass man als Veganer gesünder lebt und die KK weniger beansprucht als der durchschnittlich ernährte Allesesser. Ernährungsbedingte Krankheiten sind der größte Kostenfaktor für unser Gesundheitssystem, und da haben wohl die mangelernährten Veganer nix mit zu tun. Veganer nehmen weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterin, weniger Eiweiß, mehr Ballaststoffe und mehr Folsäure (nur mal so als Beispiel) auf als die meisten anderen Menschen. Als Stichworte nur mal Diabetes und Herzinfarkt.

    “Während ersteres mit tierischen Produkten (Milch, Käse, Eier) noch ernährungsmäßig abwechslungsreich genug ist, um keine Mangelerscheinungen zu haben, wird es bei veganer Ernährung (keine tierischen Produkte) schon schwieriger…”

    Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Wenn man sich als Veganer ausgewogen ernährt, ist das Risiko einer Mangelernährung genauso gering wie bei anderen Ernährungsformen.

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