Ersatz oder Werbetrick?

von: Kirstin Walther am 09.04.2008, 17:03 Uhr in Obst,Säfte und Nektare

Bereits hier im Blog und auch vorgestern im Telefoninterview mit einer Redakteurin der Rheinischen Post fiel die Frage, ob Säfte oder momentan in fast aller Munde, Smoothies wirklich Obstmahlzeiten ersetzen können.

Tja… Nun ja… Zu diesem Thema gehen mir zahlreiche Gedanken durch den Kopf – in Form von Fakten – aber auch in Form von persönlicher Meinung und vielleicht auch beeinflusst von der täglichen Arbeit, die unübersehbar mit dem Thema zu tun hat.

Wäre ich vor – sagen wir mal hundert Jahren schon auf der Welt gewesen und gefragt worden, hätte ich zweifelsfrei und wie aus der Pistole geschossen mit NEIN geantwortet. Heute muß man sich unter Umständen ernsthaft fragen, ob es nicht besser ist, Obst zu trinken. Aber auch hier muß man unterscheiden – ganz klar.

Obst ist gesund! Das haben wir alle verinnerlicht, denn diese Erkenntnis ist fast so alt, wie unsere Zivilisation. Wahrscheinlich so sehr verinnerlicht, daß wir kaum noch darüber nachdenken. Früchte gehörten schon immer zu den wichtigsten – ganz am Anfang sogar zu den vorwiegenden Nahrungsquellen der Menschheit – bereitgestellt von der Natur.

Die Natur!

Meine Gedanken schweifen etwas ab, während ich diesen Eintrag schreibe, in Form von: Ich muß ausgiebig recherchieren, damit ich dieses Thema vernünftig mit Fakten unterlegen kann. Aber ich glaube, daß ist nicht wirklich nötig, weil es ganz logische Dinge sind. Das weiß im Prinzip auch jeder.

Wir sind uns bestimmt darüber einig, daß Obst mal viel gehaltvoller war als jetzt. Supermarktäpfel sind schön und makellos, aber haben sie noch die Inhaltsstoffe, die ihren Vorfahren von der Natur mitgegeben wurden? Ich fürchte, nein, vorallem nicht die, die man außerhalb der Erntezeit in den Läden finden kann. Neulich habe ich gelesen, daß ein Apfel, den man vom Baum pflückt, sofort anfängt, an Gehalt zu verlieren. An Geschmack, an Vitaminen, Mineralien usw. Außerdem habe ich gelesen, daß Obst vor fünfzig Jahren 90% mehr gesunde Inhaltsstoffe hatte, als heute.

So kommt einem ganz automatisch der Gedanke, daß Obst essen nicht mehr Obst essen ist. Kampagnen, wie “5 am Tag” scheinen eigentlich überflüssig oder dienen allein dem Interesse von Lebensmittelkonzernen. Es sei denn, man macht sich die Mühe direkt vom Baum bzw. Strauch (bei Beerenobst) zu essen. Aber nicht von jedem Baum. Wenn schon, dann sollte es wirklich ein Baum sein und keine aneinandergereihten Pseudobäume, die intensiv bewirtschaftet werden.

Säfte und Smoothies? Ganz logisch – der Rohstoff entscheidet über die Qualität des Endproduktes. Um so besser der Rohstoff, um so besser der Saft. Um so natürlicher der Rohstoff, um so natürlicher der Saft. Natürliche Früchte werden von der Natur so perfekt bereitgestellt, daß man – wenn man sie denn hat – auf alles andere verzichten kann. Nie gehörte Begriffe auf den immer länger werdenden Angaben über Zutaten auf den Lebensmitteln, die wir essen, haben wenig damit zu tun, daß Hersteller aus Jux und Dollerei noch dies und das dazumixen, sondern eher damit, daß die Rohstoffe so minderwertig oder so teuer sind, daß man bei Geschmack, Farbe und Haltbarkeit zu diesen Helferlein greifen MUSS.

Ich frage mich nur manchmal, wer die Schuld dafür trägt. Ist es der Verbraucher, der ganzjährig alles konsumieren möchte und immer mehr davon, und das am liebsten geschenkt? Waren es die Hersteller, die das irgendwann einfach anboten? Der Markt? Angebot – Nachfrage? Nachfrage – Angebot? Ist es der Staat, der uns allen immer mehr Geld aus der Tasche zieht, so daß man anfangen muß, Kompromisse einzugehen? Sowohl die Unternehmen, als auch die Konsumenten? Falls einige Leser zwischen meinen Zeilen scheinbar vorwurfsvolle Untertöne herauslesen: Nein, es täuscht. Ich ernähre bzw. verhalte mich auch nicht päpstlicher als der Papst. Es beschäftigt mich halt.

Wir haben vor kurzem zu diesem Thema einen kleinen Film produzieren lassen, der mit wenigen Worten und schönen Bildern ganz gut veranschaulicht, was ich versuche mit vielen Worten zu sagen.

Link: sevenload.com

Danke an Daniel von 2dproduktion! Wann habt Ihr denn endlich mal wieder eine Webseite? So nützen meine Empfehlungen herzlich wenig. Falls jemand Multi-Medial-Talente sucht, sie sitzen hier in Dresden und ich habe die Adresse. :D

Das soll im Grunde heißen, daß sich jeder diese Frage eigentlich selbst beantworten kann, nachdem er sich folgendes gefragt hat:

1. Wo kommt das Obst her?
2. Wann wurde es geerntet?
3. Wie lange wurde es gelagert?
4. Was wurde bei der Weiterverarbeitung damit angestellt?

Hierbei ist es unwesentlich, ob es sich um das Essen oder das Trinken von Obst handelt – um Konserven, Obst aus Frischetheken, frisch gepresste Säfte auf Eis, Tiefkühlkost etc.

Weil es noch viele Menschen gibt, denen der Begriff “Smoothie” noch kein Begriff ist, gibt es hier einen ganz interessanten Stern-Artikel. Das einzige, was mich an dem Artikel stört, ist diese ewige Kaloriendiskussion. Ja, Obst hat Kalorien und somit auch Säfte und Smoothies. Wird darauf hingewiesen, weil man das wirklich nicht weiß, oder ist auch das ein Ergebnis diverser Werbestrategien größerer Fruchtsafthersteller.

Achso, fast hätte ich vergessen, die oben genannten Fragen im Fall von Walthers zu beantworten:

1. Wenn es sich um Säfte handelt, deren Früchte wir selbst verarbeiten, sozusagen alles was heimisch ist, kommen die Rohstoffe aus unserem näheren Umland. Aroniabeeren beziehen wir auch aus Polen. Allerdings als direkt nach der Ernte schockgefrostete Ware. Spitzenqualität! Schockfrostung bzw. Tiefkühlung ist wirklich eine tolle Sache für die Inhaltsstoffe der Früchte. ABER! Kernobst, wie Äpfel, die in Form von Apfelsaft der Deutschen liebster Saft sind, können nicht schockgefrostet werden.

2. Nachdem es reif geworden ist. Blöde Frage! Nein, obwohl, manche Obstsorten werden ja unreif geerntet, damit man sie laut Gesetz auch zwei Jahre nach ihrer Ernte noch als Frischobst im Supermarkt kaufen kann. (Hilfe!)

3. Maximal einen Tag, bevor sie in der Waltherschen Obstpresse landen.

4. Feinde von Vitaminen, Mineralien und den immer mehr an Bedeutung gewinnenden sekundären Pflanzenstoffen, sind in erster Linie Luft und Hitze. Bei der Verarbeitung von Saft. Es gibt sehr hitzeempfindliche Vitamine wie zum Beispiel Vitamin C, welches bei der Pasteurisierung (Haltbarmachung) je nach dem wie schonend das erfolgt, verloren geht. Das ist ein Fakt. Die Frage ist nur, ob es der richtige Weg ist, Verlorengegangenes in synthetischer Form später wieder zuzusetzen, so wie es bei vielen Herstellern die Regel ist. Wir setzen nichts derartiges zu und versuchen so schonend wie möglich zu verarbeiten. Aber wir behaupten auch nicht, daß unsere Säfte Obstmahlzeiten ersetzen.

Nun habe ich diese Frage sicher nicht zufriedenstellend beantwortet. Ich denke halt, daß das eigentlich jeder selber kann. Oder wir diskutieren ein bißchen?

Ein kleiner Gedanke noch: Noch nie hat jemand behauptet, daß Werbeaussagen die absolute Wahrheit sind und auch die Medien sind nicht immer das, was sie mal waren, nie gewesen sind oder sein sollten. Das möge man nicht vergessen, auch wenn es manchmal bequemer ist. ;)





Kommentare

13 Kommentare
  1. Balu 9. April 2008, 14:11

    “zwei Jahre nach ihrer Ernte noch als Frischobst” *WAH*

    Ehrlich?

    Antworten



  2. Kirstin Walther 9. April 2008, 14:12

    ja… hab ich vor kurzem gefunden und wurde mir von leuten aus der obstbranche bestätigt. ich schau mal, ob ich den link wiederfinde.

    Antworten



  3. Kirstin Walther 9. April 2008, 14:25

    oh je, oh je… beim googlen fand ich sogar gerade was mit 5 jahren… bei herrn strunz. ich suche weiter…

    Antworten



  4. Stephan 9. April 2008, 14:46

    Guter Artikel. Hat einfach Freude bereitet, den zu lesen.

    Zur Schuld: Die hat immer der Verbraucher. Solange dieser wählen kann, hat er immer Schuld. Es ist sein Geld, was er selber aktiv ausgibt.

    Wenn schlechte Produkte überleben, sind sie nicht schlecht genug.

    Antworten



  5. Manuel 10. April 2008, 08:35

    Schöner Film – meinen Glückwunsch an 2d, das habt ihr gut gemacht!

    Interessanter Artikel Kirstin, auch wenn er teilweise ein wenig “wirr” zu lesen ist – daran merkt man aber, dass Dir das Thema wirklich nahe geht :-)

    Leider werden Leute, die eben lokal anbauen und verkaufen, bzw. biologische Landwirtschaft betreiben, immer noch als weltfremde Spinner angesehen. Und angesichts der Biohof-Razzia können da auch wieder alle Klischees bedient werden. Toll.

    Passt bloß auf, dass ihr nicht auch nen Kampf-Sixpack auf dem Hof habt, weil ihr Aussagen wie “atemfrei” oder besser “Obst zum Trinken” verwenden – die verstehen da keinen Spaß… *lacht*

    Antworten



  6. Doc Sarah 10. April 2008, 20:38

    guter und nachdenklicher artikel mit schönem film!
    danke, kirstin!

    Antworten



  7. Henry 10. April 2008, 22:43

    Sehr lecker schmecken Eure Fruchtsäfte gemischt zu drei Teilen Saft plus ein Teil Cachaca, das ist brasilianisches Zuckerrohrdestillat.
    Noch ein Paar Eiswürfel dazu fertig.

    Antworten



  8. Michael Lalk 10. April 2008, 23:23

    Vom “Frischobst” 2 Jahre nach der Ernte habe ich auch schon gehört.
    Dabei soll es sich im Zitrusfrüchte handeln, die auch noch nach 2-3 Jahren in den Supermärkten zum Verkauf gelangen.
    Ich habe immer gedacht, dass derjenige, der mir das erzählte, einen nassen Hut auf hatte, aber wenn ich das hier lese, komme ich doch ins Grübeln.

    Antworten



  9. Manuel 11. April 2008, 09:53

    Frag doch bitte mal 2d, was das für eine Background-Musik ist – und wo man die herbekommt.

    danke ;)

    Antworten



  10. WolfgangHH 13. April 2008, 20:27

    … eine sehr interessante Gesprächsrunde! Habe neues gelernt und werde nun sofort zum Bestellformular bei Kerstin schreiten ;-)

    Antworten



  11. Moritz 15. April 2008, 18:30

    Ein Smoothie ist eine Vitamin Bombe. Aber ob es eine richtige Mahlzeit ersetzen kann, denke mal könnt ihr euch selbst ausmahlen. Den Magen davon kriegt man schon voll, aber obs dann auch wieder gesund ist?!

    Antworten



  12. Monika Meurer 10. September 2009, 21:22

    Eine Frage fehlt in der Liste noch: Wie wurde das Obst behandelt? Also ist es gespritzt mit Pestiziden?

    Wie macht geht Ihr damit um, bei Euren Lohnmostlieferanten? Kommt das Obst von Streuobstwiesen??

    Antworten



  13. Kirstin Walther 11. September 2009, 09:49

    Hallo Monika, ja, unser Obst kommt von Streuobstwiesen und aus sächsischen Kleingärten – mit Ausnahme der Aroniabeeren, die wir mitunter auch aus Polen, Bulgarien und anderen Ostblockstaaten beziehen, weil die sächsischen Beeren nicht ausreichen.

    Trotzdem wir bei uns von einem externen Labor nochmals auf mehrere Hundert Pflanzenschutzmittel und Schwermetalle geprüft – nach dem Pressen. Und wie nicht anders zu erwarten, sind das Obst bzw. die Säfte sauber.

    lg
    Kirstin

    Antworten



Kommentar schreiben




Tip: Nutzen Sie den Gravatar Service um beim Kommentieren ein eigenes Bild zu verwenden.