Verkaufserfolg mit Penetranz und Respektlosigkeit

von: Kirstin Walther am 17.07.2008, 20:02 Uhr in Verkauf

Normalerweise lasse ich mich auf Diskussionen dieser Art nicht ein. Aber in diesem Fall konnte ich nicht anders, vorallem auch, weil es sich wohl um eine Kundin von uns handelt. Gab es mal empfohlene Verkaufspraktiken dieser Art, um mehr Erfolg zu haben? Vielleicht funktioniert es ja weitestgehend, denn es kommt recht häufig vor, daß man mit Personen dieser Art zu tun hat – vorallem am Telefon – neulich im Zusammenhang mit der Optimierung unserer Internetseiten. Manchmal frage ich mich wirklich, ob solche Unverschämtheiten noch so zahlreich vorkommen, weil sie von Erfolg gekrönt sind…

Nun ja, folgende Emails flogen hin und her:

Sehr geehrte Frau Walther,

ich bin seit Jahren Kundin bei Ihnen. Beim heutigen Einkauf habe ich versucht mit ihnen in Kontakt zu kommen und einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Für dieses Gespräch benötige ich max. 20 Minuten ihrer geschätzten Zeit um ihnen unser Konzept vorzustellen. In diesem Gespräch werden betriebswirtschaftliche Kennzahlen betrachtet, daraus ergibt sich, ob es für ihr Unternehmen sinnvoll ist.

Was ist unser Anliegen?

1. wir betrachten ein vergangenes Geschäftsjahr, z.Zt. 2007, das noch nicht dem Finanzamt vorliegt, danach ist eine Einarbeitung nicht möglich.

2. Mithilfe des Einkommenssteuergesetzes ergibt sich für den Unternehmer die Möglichkeit der zusätzlichen Liquidität, die als Firmenvermögen – stille Reserve gebildet wird.

3. Wir nutzen gemeinsam mit der Firma Jahr für Jahr dieses Konzept zur Bilanzsteuerung.

Wie dieses Konzept durch Sie nutzbar ist, möchte ich Ihnen kurz erläutern, dazu benötige ich von Ihnen einen Gesprächstermin. Ich möchte Ihnen zwei Termin anbieten: 21.07. ab 14.oo Uhr oder 24.07. vormittags.

Da ich für Sachsen und Thüringen zuständig bin, versuche ich die Fahrstrecken zu koordinieren, bitte haben Sie dafür Verständnis.

Ich hoffe auf Ihr geschätztes Interesse und verbleibe mit freundlichen Grüssen…

So wirklich weiß man natürlich nicht um was es hier gehen soll und vorallem nicht, mit wem man es wirklich zu tun hat… Da stand nur ein Name und BBB BBA e.V. War im Internet nichts aussagekräftiges zu finden…

Meine Antwort:

Liebe Frau X,

herzlichen Dank für Ihre Email. Was diese Themen betrifft, werde ich bereits bestens betreut. Interessant finde ich so etwas immer, allerdings kontaktieren Sie zur denkbar ungünstigsten Zeit im Jahr. Von Juli bis Dezember stecken wir in der Erntekampagne.

Trotzdem vielen Dank für das Angebot und Ihr Verständnis.

Herzliche Grüße,

Kirstin Walther

Doch eigentlich recht freundlich, oder?

Prompt kommt ihre Antwort:

Sehr geehrte Frau Walther,
danke für die promte Antwort. Leider ist im Schriftverkehr nicht alles zu sagen. Es verwundert mich sehr , dass Sie sich sogar einer kurzen telefonischen Anfrage verweigern. sicher haben Sie zur Zeit sehr viel zu tun. Der Zeitpunkt unsererseits ist bewußt gewählt, da sehr viele Firmen in diesem Zeitraum den Jahresabschluß des vergangenen Geschäftsjhahres vorbereiten.
Unternehmer, die unser Konzept kennengelernt haben, und das geht nur über unseren Verein, finden die Zeit es zumindest durchzurechnen ob es für das Unternehmen Gewinn bringt. Sehr schade für Sie!
Ich bin gern zu einem kurzen Gespräch bereit.
Mit freundlichen Grüssen…


Ähmmmm… Wie bitte???

Meine Antwort:

Ich finde es sehr schade, daß Sie in Ihrem Urteil so voreilig sind. Wir haben ein verschobenes Geschäftsjahr und unseres eben beendet. Also in unserem Fall dann der falsche Zeitpunkt. Ihre Art der Aquisition fühlt sich irgendwie seltsam an. Ich hoffe, daß Sie sich von uns als Kunde nie so behandelt fühlten.

Eine etwas respektvollere Kommunikation Ihrerseits wäre viel angenehmer und sicherlich auch erfolgreicher, wenn ich das mal so sagen darf.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüße Sie ganz herzlich,

Doch eigentlich immer noch nett und zuvorkommend, oder?

Sie meldet sich nochmals:

Sehr geehrte Frau Walther,
vielen Dank für Ihre Antwort. Es kommt sehr selten vor,das Unternehmen ein verschobenes Geschäftsjahr haben. Entschuldigung das konnte ich leider nicht ahnen. Aus diesem Grunde stelle ich mich immer persönlich vor und lege mein Anliegen dar. Leider hatte ich den Eindruck bei ihnen im Geschäft hinauskomplementiert worden zu sein. Dann wäre sicher unser Gespräch angenehmer verlaufen. Tut mir leid.
Vielleicht können wir doch einen kurzen Gesprächstermin finden, trotz ihrer geschäftlichen Anspannung. Ich würde mich sehr freuen. Ich gehe davon aus das ihr Geschäftsjahr zum 30.6. des Jahres endet. Dann wäre der Betrachtungszeitraum 1.7.2007 – 30.6.2008.
Ich grüsse sie enbenfals herzlich und wünsche Ihnen Erfolg.


Hallo? Hatte ich mich so undeutlich ausgedrückt?

Ich mußte dann doch noch mal antworten – ein letztes Mal, nur damit sie versteht, wie ich das meine:

Wissen Sie, Frau X, wenn ich jede Person empfangen würde, die augenblicklich einen persönlichen Termin bei mir haben möchte, dann müßte ich einen externen Geschäftsführer einstellen. Deswegen sind meine Mitarbeiter angewiesen, Besuchern, die ohne Termin zu uns kommen, mitzuteilen, daß sie bitte eine Email senden möchten, in der das Anliegen dargestellt wird. Das haben Sie getan – ich habe prompt geantwortet. Wenn ich Ihnen mitteile, daß ich im Moment keine Zeit und vorallem keine Notwendigkeit für ein Beratungsgespräch sehe, dann sage ich das, weil es nicht geht, es keine dringende Notwendigkeit dafür gibt und ich im Moment sehr viel wichtigere Dinge zu tun habe. Nicht weil ich einen persönlichen Groll gegen Sie hege. Und was für mein Unternehmen bzw. mich wichtig ist, das kann ich am besten einschätzen, meinen Sie nicht? Wenn Sie potentielle Kunden oder das, was sie Ihnen sagen schon im Vorfeld nicht ernst nehmen, wie soll dann eine für beide Seiten zufriedenstellende Beratung bzw. Geschäftsbeziehung möglich sein? Das ist mir wirklich ein Rätsel.

Vielen Dank und freundliche Grüße,

Anmerkung: Wenn jemand Saft kaufen möchte, muß er das natürlich nicht schriftlich anmelden, sondern nur Leute, die uns etwas verkaufen möchten. Meine Mitarbeiter kennen den Unterschied.

Ist mir irgendwas entgangen, was die Grundregeln des Anstands angeht, oder bin ich überempfindlich? Ich kann so etwas einfach nicht verstehen, weder privat noch geschäftlich. Und wehe hier sagt einer was wie Stutenbissigkeit oder so… ;) Ich wollte eigentlich nur freundlich absagen bzw. vermonaten…