Bio oder was?
von: Kirstin Walther am 07.01.2009, 21:46 Uhr in Saftbox, Säfte und Nektare
In letzter Zeit häufen sich Anfragen von Händlern nach unseren Saftboxen. Darunter sind auch zahlreiche Naturkostläden und sogenannte “Bio-Läden”. Und selbstverständlich wird gefragt, ob unsere Säfte bzw. Nektare biozertifiziert sind. Hierbei handelt es sich dann um das von Frau Künast (ehemalige Verbraucherministerin – grün) ins Leben gerufene Biosiegel.
Alles was wir in den neuen Saftboxen anbieten ist NICHT durch dieses Siegel zertifiziert und führt dann dazu, daß die Säfte meistens nicht eingelistet werden. Warum haben wir keine Biozertifizierung bei den Saftboxen? In Sachsen gibt es keine Biobauern, welche zum Beispiel Bio-Quitten anbauen oder Bio-Johannisbeeren. Was es gibt sind natürlich Bio-Äpfel und Bio-Sauerkirschen (von letzterem allerdings nicht gerade viel). Mit vielen Bio-Bauern in Sachsen arbeiten wir zusammen, denn wir waren die erste Kelterei in Sachsen, die grundsätzlich eine Zertifizierung als Bio-Verarbeiter erhielt. Allerdings findet im Bio-Apfelsaft-Bereich auch schon so ein Preisdumping statt, wie im konventionellen Bereich. Liegt daran, daß auch die Discounter, wie z.B. Plus, Bio-Apfelsaft anbieten. Deswegen macht das keinen Sinn.
Da unsere Kunden gerade Säfte und Nektare aus einheimischen Obstsorten bevorzugen, hatten wir uns vor einigen Monaten entschieden, unseren Kunden durch folgende Sache Sicherheit zu geben:
Alle Säfte, die wir selbst herstellen – sprich das Obst hier in Arnsdorf pressen, werden regelmäßig in unabhängige Labors eingeschickt und dort auf Pestizide, Fungizide, Schwermetalle usw. untersucht. Das ist zwar riskant, weil das Obst zu diesem Zeitpunkt ja schon bei uns verarbeitet wurde, aber es wäre unmöglich und vorallem unbezahlbar unsere schätzungsweise 5000 – 7000 Obstlieferanten (wir kennen nur die persönlich, welche ihr Obst direkt hier nach Arnsdorf bringen, betreiben aber noch 11 Obst-Sammelstellen in unserer Region) zu kontrollieren, ob sie auch keine Düngemittel usw. verwenden.
So sieht das dann im Herbst bei uns aus:
Die Untersuchungsergebnisse bestätigen aber, wir haben ausgezeichnete Partner. Die Säfte sind “clean”! Anmerkung: Diese Laboruntersuchungen sind natürlich sehr viel teurer als die herkömmliche Bio-Kontrolle.
Aufgrund dessen sprach ich beim Zertifizierungsverband hier in Sachsen vor. Ob es nicht aufgrund dieser Analysen eine Möglichkeit gibt, unsere Säfte doch zu zertifizieren. Diese Möglichkeit gibt es NICHT! Erklärt wurde das damit, daß bei der Bio-Zertifizierung der Kreislauf eine Rolle spielt. Das heißt vom Bauern bis zum Händler alles kontrolliert. Wie sieht aber diese Kontrolle aus? Ich spreche hier nur für Sachsen, wie das in anderen Bundesländern praktiziert wird, ist mir nicht bekannt. Bei uns kommt jährlich eine Prüfung ins Haus. Bei dieser wird kontrolliert, ob wir das konventionelle getrennt vom Bio-Obst verarbeiten. Es wird versucht nachzuvollziehen, ob der Einkauf zum Verkauf passt. Also ist vorn nicht mehr verkauft worden, als Bio-Grundstoffe eingekauft wurden. Sind die Bio-Säfte getrennt gelagert und auch so gekennzeichnet. Eine Untersuchung der Säfte selbst fand noch nie statt.
Auch der Bio-Bauer bekommt jährlich eine Kontrolle. Ich ging immer davon aus, daß bei ihm jährlich Bodenproben genommen werden. Dem ist nicht so – nur im Verdachtsfall. Auf meine Frage hin, was denn ein Verdachtsfall wäre, sagte man mir, daß es so etwas in Sachsen noch nie gab. Der Bauer versichert, daß er keine chemischen Keulen verwendet und außerdem würde man das dem Bauern schon ansehen, ob er die Wahrheit sagt oder nicht. Es wird noch ein Blick in seine Bücher geworfen, ob es dort Rechnungen gibt, die zeigen würden, daß er chemische Düngemittel eingekauft hat.
Ich will diesen Verband nicht kritisieren. Das sind alles sehr engagierte Leute, die versuchen einen guten Job zu machen. Aber mal ehrlich, was halten Sie für sicherer??
Wie sollte man Säfte kennzeichnen, die im Labor gewesen sind, damit der Verbraucher weiß, daß er da etwas Gutes kauft? Oder sollen wir einfach Bio draufschreiben, ohne Biosiegel? Vielleicht ein eigenes Siegel: Besser als Bio!!!
Diesbezüglich hatte ich übrigens im letzten Jahr auch ein recht aufschlußreiches Gespräch mit dem Einkäufer eines großen Lebensmitteldiscounters. Er sagte, daß sie auf keinen Fall Bio-Säfte anbieten werden, weil das ein Betrug am Verbraucher wäre. Jeder Otto-Normalverbraucher könnte sich ausrechnen, daß Bio-Obst in den benötigten Mengen in ganz Europa und vielleicht sogar weltweit nicht vorhanden ist. Das finde ich vorbildlich, und andere sollten sich daran ein Beispiel nehmen in ihrer Verantwortung gegenüber dem Verbraucher.
Sag ich doch, dass Walthers-Siegel in Verbindung mit dem Laborsiegel und deiner Unterschrift als Garantie für den Verbraucher. Herr Hipp macht es uns schon vor. Trotzdem werden es die Naturkostläden nicht akzeptieren, außer die Läden, welche deinen Betrieb kennen.
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Ja. Die Frage ist nur, wie packt man in das Siegel rein, daß der Saft auf ca. 200 Pestizide, Fungizide usw. getestet wurde und keine enthält…
Ich glaube, daß zumindest einige Bioläden zu überzeugen sind. Einer solchen Wahrheit können sie sich doch nicht verschließen, wenn sie überzeugt sind von dem, was sie tun.
Kurz vor meinem Urlaub hatte ich ein amüsantes Telefonat deswegen mit einem Dresdner Bio-Laden-Besitzer. Nachdem er sich mein Anliegen angehört hatte, sagte er, daß seine Kunden keine unzertifizierten Säfte akzeptieren würden. Bestellte aber im gleichen Atemzug einige Kästen Holundersaft, weil der so gut laufen würde. UND: es ist natürlich konventioneller!
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Lieber 200 Pestizide, Fungizide etc nicht drin als BIO drauf. Bei guten Winzern weiß ich auch, dass ihr “Landwein” eine verkappte Auslese oder so ist – aber sie Gründe haben, es nicht drauf zu schreiben. Und diese Gründe sind meistens merkwürdige Bürokratien (oder Bürokraten)
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Bio untersuchung von greenpeace. na dann doch lieber BIO, manchmal hast Du aber sicher recht da gibt es auch schwarze schafe bei bio. Von 1000 Pestiziden kann man im labor nur 300 feststellen http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/bio_lebensmittel_haben_alles_nur_keine_pestizide/
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