Die Zweiklassengesellschaft bei Lebensmitteln

von: am 24.03.2009, 13:49 Uhr in Obst,Säfte und Nektare

Lebensmittel sind nicht gleich Lebensmittel. Es gibt gesündere und es gibt regelrecht ungesunde davon. Aber es gibt auch steuerrechtliche Unterschiede von Lebensmitteln. Ein Apfel beispielsweise ist ein sogenanntes Lebensmittel des täglichen Bedarfs und wird daher mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7% versehen. Gut für den Verbraucher. Nimmt man nun den Apfel und macht daraus Apfelsaft, was unsere Profession ist, geht durch das Pressen des Apfels der Mehrwertsteuervorteil im wahrsten Sinne des Wortes in der Presse verloren. Saft ist damit kein Grundnahrungsmittel mehr, obwohl die Bundesbürger im Jahresdurchschnitt mehr als 40 Liter davon trinken. Schlecht also für den Verbraucher, der nun 16% Mehrwertsteuer zu bezahlen hat. Ab 1. Januar 2007 soll nach den Plänen der ratlosen Berliner Großkoalition dann die Mehrwertsteuer gar auf 19% angehoben werden, koste es, was es wolle.

Durch diese größte Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland werden für den Kunden die Preisunterschiede zwischen sogenannten Lebensmitteln des täglichen Bedarfs und allen anderen Lebensmitteln noch deutlicher spürbar. Fruchtsäfte und Mineralwässer werden dann nochmals schlechter gestellt als zum Beispiel Kaffee, Tee oder auch Schokolade, die alle bei 7% Mehrwertsteuer eingefroren werden. Damit werden Lebensmittel, die für eine ausgewogene Ernährung sorgen könnten und deren positive Wirkungen auf Körper und Geist, Gesundheit und deren Erhaltung bekannt sind, benachteiligt.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik hat sich deshalb aus Gründen der Volksgesundheit dafür ausgesprochen, dass Mineralwasser steuerlich als Grundnahrungsmittel anerkannt wird und damit einem verminderten Mehrwertsteuersatz wie andere Lebensmittel des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Milch, Obst und Gemüse und auch Fleisch und Fisch genießt. Mehr dazu in dieser Pressemitteilung.

Ich unterstütze dieses Anliegen aus tiefster Überzeugung. Der geneigte Leser wird es nicht als unverständlich betrachten, wenn ich diese Forderung auch auf Fruchtsäfte ausweite. Damit könnte ein wichtiges Zeichen für ernährungsphysiologisch empfehlenswerte Getränke gesetzt werden.





Kommentare

4 Kommentare
  1. Carsten 30. April 2006, 16:54

    Die Mehrwertsteuerklassifizierung fand ich schon immer schräg. Auf die dämlichsten Schmierblätter werden nur 7% angerechnet, da sie ja angeblich einen Bildungswert darstellen, aber für das Internet, dass wesentlich mehr an Informationen bietet, darf man außer der vollen MwSt demnächst auch noch GEZ-Gebühren zahlen.

    Ein Highlight war ja auch, als sie die Lindt-Hasen als Spielzeug einteilen wollten, weil die nen Glöckchen um den Hals haben.
    Vielleicht könnt ihr ja eure Saftboxen mit Schokolade überziehen und als Riesenpraline mit Saftfüllung verkaufen.

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  2. René 19. Mai 2006, 23:55

    Warum nur Fruchtsäfte? Alle Getränke, mal von Alkohol abgesehen, sollten in den ermäßigten Satz reinfallen.

    Und wenn ich das richtig sehe, könnt ihr ja nur 7% bei der Vorsteuer reinholen …

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  3. Gerhard Zirkel 1. Juni 2006, 11:46

    Naja, ganz so einfach ist diese Problematik wohl nicht. Denn wo soll man die Grenze zwischen Lebensmittel und “Luxusgut” denn ziehen?

    Auch ich bin der Meinung, dass Fruchtsäfte mit 7% besteuert werden sollten. Aber wenn man das macht, kommt der große Konzern mit dem ekeligen braunen Zuckersirup und will auch die 7% haben. Und danach kommt die Brauerei XY und will das auch, weil Bier zumindest in Bayern ja auch ein Grundnahrungsmittel ist. Und wenn das mit Bier geht, dann auch mit Schnaps…

    Das mit dem Internet ist auch so ne Sache. Klar kann das einen Bildungswert haben. Aber wenn auf Internetdienstleistungen von nun an 7% MwSt. gilt, muß der Satz für Alle Internetanbieter gelten. Auch für die Pornoseiten!?

    Ich möchte jedenfalls nicht der Politiker sein, der das zu entscheiden hat.

    Gerhard Zirkel

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  4. Jörg Holzmüller (ehemaliger Mitstreiter) 1. Juni 2006, 12:53

    @Gerhard: Ich denke, bezüglich dessen, welche Lebensmittel unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz fallen sollten, kann man sich an die Vorschläge der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten. Die DGE betrachtet, und hier zitiere ich aus einer Pressemitteilung des Verbandes der deutschen Fruchtsaftindustrie, „nicht als ein Getränk unter vielen, sondern stuft Fruchtsaft als pflanzliches Lebensmittel ein. Damit wird ein Glas Fruchtsaft als genauso wertvoll angesehen wie eine Portion Obst
    oder Gemüse.”

    Das gilt für andere Produkte wie Colagetränke oder Limonaden nicht, und natürlich auch nicht für Schnaps und andere alkoholische Getränke.

    Siehe auch: “Ein Glas Fruchtsaft so wertvoll wie eine Portion Obst”

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