Aronia-Forschungsprojekt nimmt Arbeit auf

von: waladmin am 27.03.2009, 21:34 Uhr in Aronia,Öffentlichkeit


Aroniaplantage Coswig am 25.10.2006 (sieht das nicht traumhaft aus?)

Wie schon angekündigt, gibt es zu dem Forschungsprojekt nun eine offizielle Vorhabensbeschreibung. Nochmal zur Erinnerung: Das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) hatte im letzten Herbst nachfolgende Ausschreibung bekanntgemacht.

Die Versorgung mit Lebensmitteln hat in Deutschland einen optimalen Stand bezüglich Fülle und Auswahlmöglichkeiten erreicht. Trotzdem sind ernährungsbeeinflusste Krankheiten keineswegs eliminiert sondern steigen gegenwärtig sogar an. Dies ist besonders beunruhigend, da ernährungsbedingte Krankheiten früher eher ältere Menschen betroffen haben, heutzutage dagegen erkranken immer mehr und immer jüngere Menschen an ihnen. Dies führt zu einer Verminderung der Lebensqualität der Betroffenen aber auch zu einer Belastung für das Gesundheitswesen.

Herz-Kreislauferkrankungen, einzelne karzinogene Erkrankungen, Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes Typ II nehmen zu; Herz-Kreislauferkrankungen sind mittlerweile die häufigste Todesursache in Deutschland. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, bessere Voraussetzungen für eine gesunde Lebensführung zu schaffen. Eine adäquate Ernährung leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Die Anforderungen, die an eine gesunde Ernährung gestellt werden, sollten von daher denkbar hoch sein. Um jedoch eine ausgewogene und den unterschiedlichen Zielgruppen (z. B. Kinder, Senioren, genetisch determinierte bzw. sozioökonomisch definierte Gruppen) bedarfsgerechte Bereitstellung von Lebensmitteln gewährleisten zu können, ist eine genaue Kenntnis der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Lebensmittel notwendig. Vorraussetzung für eine gesunde Ernährung ist das Wissen über die Lebensmittelbestandteile und deren Funktionalität auf physiologischer, zellulärer und molekularer Ebene.

Um dieses Wissen generieren zu können und die Entwicklung von Gesundheit fördernden, funktionellen Lebensmitteln zu ermöglichen, muss Deutschland die Ernährungsforschung weiter ausbauen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) startet deshalb eine Initiative zur “Funktionellen Ernährungsforschung”.
Die vorrangigen forschungspolitischen Ziele sind:

* Entwicklung eines international anerkannten Forschungsstandortes auf dem Gebiet der Ernährungsforschung;
* Stärkung des Wirtschaftsstandortes;
* Sicherung der Forschungsergebnisse, z. B. durch Schutzrechte und deren Verwertung für eine verbesserte Wertschöpfung;
* Vernetzung mit europäischen und internationalen Aktivitäten im Bereich Ernährungsforschung.

Die im Rahmen der “Funktionellen Ernährungsforschung” generierten Forschungsergebnisse sollen Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen zugänglich gemacht und so rasch wie möglich in Technologien und Produkte umgesetzt werden.
In Wechselwirkung mit der Lebensmittelindustrie als wichtigem Partner sollen die Erkenntnisse der “Funktionellen Ernährungsforschung” neue innovative Produktentwicklungen für höchste Qualitätsansprüche der unterschiedlichen Zielgruppen (z. B. Kinder, Senioren, genetisch determinierte bzw. sozioökonomisch definierte Gruppen) initiieren. Diese Lebensmittel der Zukunft können u. a. Lebensmittel mit speziellem Nutzen wie beispielsweise Kompensationsprodukte für den Ausgleich von Ernährungsdefiziten sein.

Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Vernetzung mit den Aktivitäten zur Human-, Pflanzen- Tier- und Mikrobengenomforschung vorgesehen und lässt eine Beschleunigung des Erkenntniszuwachses für die Ernährungsforschung erwarten. Die Bereitstellung wissenschaftlicher Grundlagen für die Entwicklung von neuen innovativen Lebensmitteln mit besonderem Nutzen (Mehrwert für den Menschen) ist die oberste Zielstellung dieser Bekanntmachung.

Es wurden 60 Anträge eingereicht. Davon werden 14 Projekte gefördert. Die Gesamtfördersumme beläuft sich auf 13 Millionen Euro. Der Anteil, den die in unserem Verbundprojekt beteiligten wissenschaftlichen Institutionen an Fördergeldern erhalten, beläuft sich auf knapp 700.000 Euro. Unterstützt werden die einzelnen Projekte natürlich jeweils von den entsprechenden Industriepartnern, wie z.B. von der Kelterei Walther in Arnsdorf.

Hier nochmal in Kurzform, was der Inhalt des Forschungsprojektes ist:

„Procyanidine – Vom besseren Verständnis der Wirkung zur Entwicklung
funktioneller Lebensmittel“

Das Projekt beschäftigt sich mit der systematischen Untersuchung von Procyanidinen, einer komplexen Gruppe von phenolischen sekundären Pflanzenstoffen. Sie stellen auf Grund beschriebener gesundheitsfördernder Wirkungen potentielle wertgebende Bestandteile in Lebensmitteln dar. Das Gesamtziel des Projektes ist es, die physiologische Wirkung von Procyanidinen zu verstehen und auf dieser Grundlage funktionelle Lebensmittel mit einem optimierten Gehalt an Procyanidinen zu entwickeln.

Das Projektvorhaben umfaßt einen grundlagenorientierten und einen anwendungsbezogenen Teil. Beteiligt sind die Universität Potsdam, die Universität Braunschweig, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe sowie die Kelterei Walther in Arnsdorf und die Breko GmbH in Bremen.

Ziel der grundlagenorientierten Teilprojekte ist es, definierte Procyanidine, die mittels präparativer Techniken aus Lebensmitteln isoliert oder synthetisiert werden, hinsichtlich ihrer biologischen Wirkung zu untersuchen und daraus erstmals Struktur-Wirkungsbeziehungen abzuleiten. Systematische Untersuchungen zum Metabolismus und zur Bioverfügbarkeit dieser Verbindungen im Menschen, die unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Darmes und der intestinalen Mikrobiota durchgeführt werden, sollen dabei den Grundstein zum Verständnis der gesundheitsfördernden Wirkungen dieser Verbindungsklasse legen. Der anwendungsbezogene Projektteil ist eng mit diesen Fragestellungen verzahnt und hat zum Ziel, durch eine innovative Kombination verfahrenstechnischer Operationen funktionalisierte Lebensmittelprototypen herzustellen. Im Fokus aller Untersuchungen stehen die Aroniabeere sowie Traubenerzeugnisse, die reich an Procyanidinen sind.

Kontakt:
Prof. Dr. Sabine E. Kulling (Projektkoordinatorin)
Lehrstuhl für Lebensmittelchemie
Institut für Ernährungswissenschaft
Universität Potsdam


v.l.n.r.: Prof. Dr. Peter Winterhalter (TU Braunschweig), Diana Behsnilian (Institut für Verfahrenstechnik, Bfel), Dr. Esther Mayer-Miebach (Institut für Verfahrenstechnik, Bfel), Stefanie Wiese (Uni Potsdam, Doktorantin), Kirstin Walther, Prof. Dr. Sabine Kulling (Projektleiterin, Uni Potsdam), Dr. Anett Braune (Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam), Dr. Hans-Peter Kruse (Uni Potsdam), Dr. Nils Köhler (TU Braunschweig), Dipl. Ing. Wolfgang Lörsch (Breko GmbH)





Kommentare

3 Kommentare
  1. Virginia Girouard 1. November 2006, 17:45

    Durch einen ausführlichen Artikel in einer Fachbroschüre habe ich von der Aroniabeere erfahren und bin so auf Ihre website gestoßen. Ich begrüße Ihre Forschung außerordentlich und würde gern erfahren ob Ihre (sicher positiven) Forschungsergebnisse auch irgndwann einmal von der Abt. Forschung und Bildung in die Abteilung Gesundheitswesen gelangen werden und dort zu entsprechenden Maßnahmen zum gesundheitlichen Wohle der Bevölkerung führen werden.
    Mit freundlichem Gruß
    Virginia Girouard

    Antworten



  2. Frischverzehr von Aroniabeeren « Kelterei Walther – gesunde Obstsäfte seit 1927 11. August 2010, 21:21

    […] (wo ich auch gleich ne Anfrage hinschickte, wegen dieser komischen Meldung) an dem dreijährigen Aronia-Forschungsprojekt beteiligt, bei dem wir Industriepartner sein durften. Und in diesen drei Jahren wurde die Beere, […]


  3. Pasteurisierung (Erhitzung) beim Aroniasaft « Saft, Fruchtsaft und Fruchtnektar seit 1927 – Kelterei Walther 13. Juli 2012, 16:46

    […] Wir hatten ja das große Glück vor einiger Zeit Industriepartner in einem staatlich geförderten Forschungsprojekt zu sein. Dieses Projekt lief 3 Jahre und unter anderem wurde in dieser Zeit auch unser kompletter […]


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