Katastrophale Apfelernte 2010 und Hilferuf

von: Kirstin Walther am 07.10.2010, 18:49 Uhr in Obst,Saftblog,Verkauf

Aktualisierung (Update) zu den Zeilen weiter unten (unter dem Bild) – heute, Freitag 8. Oktober 2010:

Als ich diesen Blogartikel (unten) gestern abend als erstes bei Facebook postete, hatte ich überhaupt keine großen Erwartungen. Es dauerte glaub ich nicht mal eine Minute und schon hatte Maik bei Facebook geteilt und  Franz den Artikel bei Twitter veröffentlicht. Und plötzlich brach eine Welle los, die immer noch anhält. Ich kann einfach nicht beschreiben, wie sich das anfühlt. Man sitzt vor seinem Bildschirm mit Tränen in den Augen (vor Freude) und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Inzwischen sind quasi auch schon Äpfel auf dem Weg zu uns – hier aus Dresden. Der Baum eines älteren Herren in Weixdorf, der das alleine nicht schafft, wird nächste Woche von Pierre geplündert werden und weitere folgen. Das hatte ich gehofft – aber niemals geglaubt, wie sehr Ihr uns unterstützen würdet. Sogar von ganz weit weg wollen Leute Ihre Äpfel zu uns schicken (NRW, Österreich usw.). Das ist total lieb, aber die Transportkosten und der Aufwand  sind dafür einfach zu hoch. Es könnte sich lohnen, wenn irgendwo so 20 Tonnen zusammen gesammelt würden und dann mit einem großen LKW hierher kämen. Ich glaube allerdings, daß die Keltereien in anderen Gegenden Deutschlands sich dieses Jahr auch über jeden Apfel freuen.  :-)

Also ich wollte mich nochmal ganz dolle bei Euch allen bedanken. Das ist alles unglaublich für mich. Der Artikel wurde bis jetzt schon fast 1000 mal angeschaut!!! Und deswegen bin ich sicher, daß da noch mehr Äpfel dazukommen. Mein Bruder, der parallel alle potentiellen größeren Lieferanten abklappert, hat mir gerade gesagt, daß wir 150.000 Liter von einer Presserei in Süddeutschland bekommen können, der fast genauso schmeckt wie unserer. Das hilft auch noch ein Stück. Und mit der Riesenunterstützung von Euch, wird bestimmt alles gut. Und wenn das alles komisch klingt, was ich schreibe… das liegt nur daran, weil das einfach alles  so verrückt ist alles und ich niemals mit soviel Hilfe gerechnet hätte. Dabei wollte ich in erster Linie bescheid sagen, daß der Apfelsaft nicht so schmecken wird wie sonst und noch ein paar Äpfel mehr aus unserer Gegend versuchen zu bekommen. Ihr seid einfach unglaublich! Ganz vielen Dank für Eure Hilfe!!! Und ich bin mir ziemlich sicher, daß wir dieses Jahr das erste Mal ein Fest machen, um mit Euch gemeinsam die letzte Presse des Jahres zu feiern. So was muß einfach gefeiert werden! DANKE NOCHMAL FÜR EURE HILFE (auch schon im Voraus für alles)!!!! Ich drück Euch ganz doll. :-)

obstmangel

Ursprungsartikel von gestern (7. Oktober 2010):

Das linke Bild ist aus Oktober 2008 – das rechte hab ich eben geschossen. Nicht nur Alex und Thomas haben in diesem Jahr noch nie auf der Obstbunkerkante gesessen. Nein, das wichtigste überhaupt fehlt auch auf dem rechten Bild – die Äpfel. Und das im Oktober! Das gab es noch nie in über 80 Jahren Saftwaltherei. Das sagen auch alle anderen Keltereien.

Um das Ausmaß mal in Zahlen zu verdeutlichen: Wir benötigen/verkaufen  im Jahr ca. 600.000 Liter Apfelsaft. Das sind so ungefähr 750 Tonnen Äpfel. Nun ist es ja leider unmöglich, daß die Natur sich da so anpasst. 2008 zum Beispiel gab es zu viele Äpfel – 2009 eher durchschnittlich – ein bißchen zu wenig. Aber durch den Überschuß aus 2008 konnten wir 2009, also bis diesen August alles abdecken. In der Regel wechselt sich das auch immer so ab von Jahr zu Jahr, aber nun haben wir die zweite schlechte Ernte in Folge. In diesem Jahr lag es wohl zum einen daran, daß es zur Blütezeit extrem kalt war und keine Bienen unterwegs waren und durch das seltsame Wetter verschob sich alles nach hinten. Das ist die einzige kleine Hoffnung, die wir haben, daß gegen Mitte/Ende Oktober doch noch mehr reinkommt, als wie es sich jetzt andeutet. Aber es hilft eigentlich nicht nach Gründen zu suchen, weil man auf die Natur keinen Einfluß nehmen kann.

Normalerweise läuft im Oktober so was wie im Video hier unten ab:

Link: Lange Autsschlangen vor der Kelterei

Nach jetzigen Berechnungen bekommen wir vielleicht 20 – 30 % an Äpfeln zusammen, die wir eigentlich brauchen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir verkaufen solange wie Vorrat da ist – das wäre ein verheerender Umsatzeinbruch, den wir nicht ohne Konsequenzen verkraften könnten. Oder wir kaufen Apfelsaft zu von anderen Fruchtsaftunternehmen. Es gibt beispielsweise Zulieferbetriebe, die nichts anderes machen als Obst zu pressen und dieses dann in Form von Saft oder auch zu Konzentrat verarbeitet an Firmen wie uns zu verkaufen, die es dann in Flaschen oder ähnliches abfüllen. Das geht, aber hierbei gibt es ein weiteres Problem: Ihr werdet sofort merken, daß das nicht unser Apfelsaft ist, denn solcher Apfelsaft wird vorwiegend aus Plantagenobst und auch Lagerobst hergestellt, welches lange nicht so schmackhaft ist wie Obst aus Kleingärten und von Streuobstwiesen, wo wir es her bekommen. In der Vergangenheit mußten wir nur in Einzelfällen mal auf “Fremd-Apfelsaft” zurückgreifen, aber es war immer so, daß viele Kunden dann nachfragten, warum es anders schmeckt als sonst.

Die Preise für Äpfel und ergo Apfelsaft sind schon jetzt in die Höhe geschossen, weil es in ganz Deutschland und vorallem auch in Polen, dem Land, das die größten Mengen an Apfelsaft und Apfelsaftkonzentraten nach Deutschland exportiert (manchmal ist China an der Spitze), wenig Äpfel gibt. Neulich erzählte mir jemand von so einer Zulieferfirma, daß Leute aus Polen vermehrt mit viel Bargeld in der Tasche hier in Deutschland alle Äpfel wegkaufen zu absoluten Mondpreisen. Wir werden die Preise vermutlich nicht erhöhen müssen, aber im Umkehrschluß heißt das: Wir verzichten auf Gewinne mit einem Apfelsaft, der Euch nicht so gut schmecken wird wie sonst.

Das ist auch der eine Grund für diesen Blogpost, Euch mitzuteilen daß die gewohnte Qualität nicht leidet, weil wir irgendwas anders machen, sondern weil wir nicht genügend gute Äpfel ranbekommen. Wir werden aber tun was wir können, um so nah wie möglich an die gewohnte Qualität ranzukommen.

Der andere Grund ist: Vielleicht hängen in Eurer Gegend – also hier im Umland – noch Äpfel auf den Bäumen oder Ihr kennt jemanden, der nicht weiß wohin damit. Dann wäre es superlieb, wenn Ihr weitergeben könntet, daß wir dringend Äpfel brauchen. Die Äpfel können an uns verkauft werden oder aber in Säfte umgetauscht werden. Nähere Infos gibts hier im Bereich Lohnmost. Das wäre superlieb und würde uns wahnsinnig helfen. Die Mengen spielen keine Rolle. Ob es nun ein Eimer voll ist oder säckeweise Äpfel. Wir freuen uns über jeden einzelnen. Bitte beachten: Obstannahme ist immer nur von Montag bis Mittwoch.

Danke schon mal und liebe Grüße an Euch alle. :-)

Update: Wer uns Äpfel bringen mag, aber keine hat, kann auch mal hier vorbeischauen: http://www.mundraub.org/ oder auch dort Stellen eintragen, wo noch herren- oder frauenlose Äpfel stehen.