Vegane Fruchtsäfte / Koschere Fruchtsäfte

In letzter Zeit bekomme ich vermehrt Emails von Kunden bzw. potentiellen Kunden, die sich vegan oder koscher ernähren wollen. Herr Oeffler hatte mich schon mal darauf hingewiesen, daß auch er auf diversen Wochenmärkten vermehrt naturtrübe Säfte an Leute verkauft, die sich koscher oder vegan ernähren wollen. Scheinbar herrscht auf diesem Gebiet etwas Informationsdefizit im Allgemeinen. Verbraucher, die sich ohne tierische Produkte ernähren wollen, wissen zumindest, daß zum Klären bzw. Filtrieren von Fruchtsäften Gelatine verwendet wird.

Gelatine wird aus Kollagen gewonnen. Das ist ein Protein von Knochen und Häuten von Tieren. Ich meine wohl, gelesen zu haben, daß es seit der BSE-Skandale vorwiegend aus Schweinen hergestellt wird. Klingt etwas unappetitlich…

Aber naturtrübe Säfte sind eh die bessere Wahl – sowohl geschmacklich, als auch unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten, wie das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) neulich in Bezug auf Apfelsaft mitteilte. Die darin beschriebenen Polyphenole verschwinden nämlich während des Klärungsprozesses.

Ich hatte das Thema hier im Zusammenhang mit der Health-Claims-Verordnung auch schon mal kurz angeschnitten, weil durch die Filtrierung von Säften wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen – hier auch noch. Wie zum Beispiel die Polyphenole. Das war sicher auch ein Grund, warum es schon immer Gegner gab, was die Filtrierung von Fruchtsäften angeht. Denn eigentlich hat das Filtrieren rein optische Gründe.

Bei uns war es früher so, daß die Kunden den klaren Apfelsaft vorzogen, weil er einfach schöner aussieht – also das war der Grundtenor. Wir haben dann oft eine Art Blindverkostung gemacht, um sie zu überzeugen. Und immer fanden sie den naturtrüben Apfelsaft besser. Ist ja auch irgendwie logisch, denn diese rausgefilterten Stoffe haben natürlich auch Geschmack (bis zu 15% Aromaverlust). Ich frage mich gerade, wer überhaupt auf die Idee kam, Säfte zu klären und warum, denn natürlich es ja ungeklärt – also der Saft läuft trüb aus der Presse. In einem Fachbuch, welches hier gerade vor mir liegt, steht, daß es wohl bei trüben Fruchtsäften immer wieder Probleme mit der “Trubstoffstabilisierung” gab und gibt. Klingt nachvollziehbar, denn wer hat das nicht schon gesehen, daß der Inhalt einer Saftflasche irgendwie zweischichtig zu sein scheint. Oben Wasser, unten Saft. Denn einen naturtrüben Saft herzustellen, der stabil bleibt und sich nicht so absetzt, ist wohl nicht so einfach. Soviel hat mir mein Bruder (Produktionsleiter) im Vorfeld schon mal verraten. Aber dazu später mehr.

Für alle, die es interessiert, habe ich weiter unten alle Produkte aufgelistet, die NICHT mit tierischen Erzeugnissen in Berührung kamen. Wie das Filtrieren genau funktioniert, erzähle ich noch im Laufe der Woche. Da unsere Kunden fast nur naturtrübe Säfte nachfragen, wird das nicht so häufig gemacht. Morgen ist es dann wieder soweit und ich werde einige Fotos machen.

Falls das Thema für einige Leser doch etwas “schocking” ist, von wegen Schweinskram tierischen Zusätzen in Säften… So viel vorab: Das Klären besteht aus mehreren Arbeitsschritten. Das eigentliche Filtrieren hat die Funktion die Gelatine zusammen mit den Trubstoffen, die sie gebunden hat, aus dem Saft wieder rauszuholen. Das heißt, sie ist nicht mehr drin. Wenn noch welche drin wäre, würde man das sehen. Das gibt dann so Schlieren. Der Saft ist dann nicht wirklich klar. Da mein Bruder das Klären scheinbar beherrscht, kann ich das NICHT anhand eines Fotos veranschaulichen. 😉 Außerdem wäre die Gelatine kennzeichnungspflichtig in unserem überregulierten Land, wenn sie sich noch im Saft befände. Ganz sicher!

Folgende Säfte bzw. Nektare von Walthers entsprechen einer koscheren bzw. veganen Ernährungsweise:

Apfelsaft natur

Birnensaft natur

Guten Morgen Saft

Orangensaft

Aronia-Muttersaft

Sachsen-Aroniasaft

Super 7 Premium Direktsaft

Milder Multivitaminsaft

15 Reaktionen auf “Vegane Fruchtsäfte / Koschere Fruchtsäfte

  1. Hmmm. Danke für die vielen Infos.

    Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es für die vegane Ernährung (übrigens eine Art der Ernährung die nur entweder in absoluter Armut oder in Überfluss-Ländern funktioniert – wenn ich an all die tollen Ersatzprodukte denke, die Veganer dann nehmen, um etwas Abwechslung im Speiseplan zu haben) doch egal wäre, weil die Gelatine nicht mehr drin ist?!

    Klar, sie wurde eingesetzt und die armen Tiere… aber wie heißt es doch: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

    Übrigens – dann auch keine Gummibärchen essen 🙂

    PS: trotzdem irgendwie eklig, die Vorstellung… ich mag sowieso die naturtrüben Säfte lieber

  2. Ich bin mir nicht so sicher, wie weit diese Ernährungsformen gehen. Vielleicht dürfen die Lebensmittel auch nicht in Berührung gekommen sein mit tierischen Erzeugnissen. Einer der Anfrager schrieb: “Leute, die aus rein gesundheitlichen Gründen Vegetarier sind, wird das Klären mit Gelatine wohl kaum stören.
    Wer aber aus ethischen und/oder ökologischen Gründen keine Tierhaltung möchte, kann natürlich auch keine Gelatine wollen…”

    Apropos Ersatzprodukte: Da muß ich dann schon manchmal schmunzeln, wenn ich im Reformhaus vor so einem Regal stehe. Würste ohne Wurst. Cheeseburger ohne Cheese und Burger (Fleisch). Geschnetzeltes ohne geschnetzeltem… Komisch irgendwie. Hatte ich auch schon mal in einem Filmchen drin.

  3. Ja, das ist für die Leute, die Fleisch vermissen aber kein Fleisch mehr essen wollen 🙂

    Übrigens: vegetarisch und vegan nicht durcheinander werfen. Während ersteres mit tierischen Produkten (Milch, Käse, Eier) noch ernährungsmäßig abwechslungsreich genug ist, um keine Mangelerscheinungen zu haben, wird es bei veganer Ernährung (keine tierischen Produkte) schon schwieriger…

  4. Na hoffentlich verirrt sich keine kleine Made vor dem Entsaften ins Obst.

    Sonst schwimmt am Ende noch ein Fettauge auf dem Apfelsaft und die Veganer bekommen Zustände wegen der Fleischeinlage.

    ;o)))

  5. Veganer sein, ist m.W. nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch ein Lebensstil. Ich kenne Veganer, die keine Lederschuhe tragen, keine Ledergürtel, nichts, was von Tieren stammt. Auch Eier werden verachtet. Ich will und mag diesen Lebensstil nicht krtitisieren, jeder soll nach seiner Facon selig werden, aber ich möchte keinen Lebensmitteleinkauf für einen Verganer tätigen.

  6. Keine tierischen Produkte?
    Jeder kann sich ja so Mangelernähren, wie er will, wenn er nicht später jammernd von der Krankenkasse Geld dafür haben möchte –
    aber haben diese Leute mal was von den Bienchen und den Blümchen gehört?
    Schließlich werden zur Herstellung des angebliche veganen Apfelsafts ja Bienen ausgebeutet.

  7. @Manuel: Wie schaffst Du einen Blogbeitrag 11 Stunden in der Zukunft?
    Bei mir steht gerade “16.01.08 @ 23:03 Uhr” bei Deinem Eintrag…

  8. @ URS – ich bin der Zeit halt voraus 😉

    (nein – ich habe editieren lassen, weil ich keine direkte Verlinkung hatte, und da ging wohl was schief beim Zeitstempel)

  9. “Jeder kann sich ja so Mangelernähren, wie er will, wenn er nicht später jammernd von der Krankenkasse Geld dafür haben möchte”

    Jede Wette, dass man als Veganer gesünder lebt und die KK weniger beansprucht als der durchschnittlich ernährte Allesesser. Ernährungsbedingte Krankheiten sind der größte Kostenfaktor für unser Gesundheitssystem, und da haben wohl die mangelernährten Veganer nix mit zu tun. Veganer nehmen weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterin, weniger Eiweiß, mehr Ballaststoffe und mehr Folsäure (nur mal so als Beispiel) auf als die meisten anderen Menschen. Als Stichworte nur mal Diabetes und Herzinfarkt.

    “Während ersteres mit tierischen Produkten (Milch, Käse, Eier) noch ernährungsmäßig abwechslungsreich genug ist, um keine Mangelerscheinungen zu haben, wird es bei veganer Ernährung (keine tierischen Produkte) schon schwieriger…”

    Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Wenn man sich als Veganer ausgewogen ernährt, ist das Risiko einer Mangelernährung genauso gering wie bei anderen Ernährungsformen.

  10. Liebe Kommentierende,

    ich lebe vegan und freue mich sehr über obenstehende Erklärung. Danke dafür!

    Zum besseren Verständnis: Veganer wollen nicht, dass Tiere (für sie) genutzt werden, daher ist auch die Verwendung von Gelatine zum Klären von Säften und Essig relevant, egal wie viel danach noch im Endprodukt enthalten sein mag.

    Sie haben einige Bedenken, was die vegane Lebensweise angeht, die recht unbedeutend sind bzw. auf Unwissen gründen.
    Ich sehe es auch als Luxus an, vegan leben zu können, das hat aber nichts mit Ersatzprodukten zu tun, die ich im Übrigen abgesehen von pflanzlicher Milch (auf der Basis von Soja, Reis, Hafer, Dinkel, Mandel…) ohnehin nicht konsumiere. Was soll an diesen Nahrungsmitteln aber merkwürdig sein? Produkte aus Tofu, texturiertem Sojaeiweiß oder Weizeneiweiß werden in bekannte Form gebracht, wie die der Wurst beispielsweise, weil sich diese Form als praktisch bewehrt hat. Des Weiteren kann ein Veganer durchaus Lust auf die Konsistenz dieser Produkte haben, die er sonst mit Fleisch befriedigen würde, was er aber nicht tut, da er es als falsch ansieht, wie sich der Mensch den Tieren gegenüber verhält. Das hat auch nichts mit Verzicht zu tun, denn es ist lediglich eine Entscheidung, die getroffen wurde und auf deren Grund man nun handelt. Luxus ist es nur, auf so viele unverarbeitete pflanzliche Produkte Zugriff zu haben!

    Und für einen Veganer einzukaufen würde Ihnen keinen Spaß machen? Mir macht es sehr viel Spaß, mich aus dem riesigen Angebot an Obst, Gemüse, Salaten und Hülsenfrüchten zu bedienen. Auch Brot, Pasta, Reis, Kartoffeln und Nüsse dürften Ihnen bekannt sein- alles Dinge, aus denen man viele verschiedene, leckere Dinge kochen kann. Backen ist übrigens auch kein Problem ohne Eier, das beweise ich Freunden und Familie wöchentlich. 🙂

    Das sollte kein Roman werden, ich habe auch nur auf einen Bruchteil Ihrer Bedenken reagiert, aber wenn es Sie interessiert, dann informieren Sie sich doch einfach über Veganismus- Veganer sind keine Freaks, sondern ganz normale Menschen, die einfach beschlossen haben, mit etwas reinerem Gewissen, gesünder (und nebenbei viel klima- und ressourcenschonender) als Fleischesser zu leben.

    Ich wollte hier jedoch keinen Missionierungsversuch starten, das liegt mir fern. Nur soviel, mir macht es Spaß, vegan zu leben und das seit über vier Jahren (in denen ich nicht ein Mal krank war); ich bin fit, aktiv, habe tolle Blutwerte und lebe ein ganz normales Leben, nur eben ohne Tierliches.

    Ach ja, es gibt übrigens so manches Fruchtgummi ohne Gelatine. 😉

    Freundlichen Gruß,
    Charlotte

  11. Sehr geehrte Frau Walther,

    hat sich in der Zwischenzeit noch etwas bzgl. der Klärung über Gelatine verändert oder gilt die oben aufgeführte Liste weiterhin?
    Gerade habe ich hier zwei Produkte von Ihnen stehen:
    – Birnensaft (Naturtrüb) und
    – Aronia Nektar

    Nach der obigen Beschreibung, müsste ich den Aronia Nektar wohl entsorgen, da auch meine nicht vegan lebenden Kollegen Gelatine in Säften als eklig empfinden. Natürlich ist es “nur” ein Produktionshilfstoff und somit nicht deklarationspflichtig, aber Tatsache ist, dass es mal drin war und geringe Spuren laut einem Artikel von Stiftung Warentest weiterhin nachweisbar sind.

    Die hier hinterlassenen Kommentare finde ich zum Großteil sehr traurig, da diese scheinbar entweder auf Nichtwissen oder Boshaftigkeit basieren.

    Zum Beispiel wird ein Vitamin B12-Mangel prozentual öfter bei omnivor lebenden Personen und nicht bei Veganern festgestellt.
    Veganer in meinem Bekanntenkreis, die seit über 30 Jahren vegan leben, zeigen keine Mangelerscheinungen.

    Eine Abwechslung auch ohne Ersatzprodukte zeigen verschiedene Gerichte: In München gibt es z.B. Asiaten und Inder, die auch vegan kochen oder auch rein vegane Restaurants wie das Max Pett, Gratitude und Bodhi.

    Ich freue mich jedenfalls sehr, dass die Welt immer offener gegenüber Veganer wird und auch ich war ja vor 2009 noch sehr veganerkritisch, obwohl oder gerade weil ich bereits seit 2002 Ovo-Lacto-Vegetarier war.
    Ohne mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt zu gehen, war der auslösende Punkt für mich das Sexen der Küken.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sven

    P.S.: Ich würde es als großen Schritt sehen, wenn auf den Saftpackungen direkt steht, dass das Produkt im Produktionszyklus ohne tierische Produkte in Berührung kam.

    1. Hallo Sven und danke für den Kommentar.

      Ja, die Liste gilt noch so und es tut mir leid wegen des Aronia-Nektars. Wo haben Sie denn gekauft? Vielleicht wäre ein Umtausch möglich – oder wir finden direkt eine andere Lösung? Dann bitte einfach per Mail melden oder so.

      Unsere Verpackungen wollen wir noch im Laufe des Jahres überarbeiten. Genau aus diesen Gründen – weil die Kunden solche und viele weitere Informationen wollen. Dann wird das auf jeden Fall mit draufstehen.

      Vielen Dank nochmal für das Feedback.

      Liebe Grüße und schöne Pfingsten,
      Kirstin Walther

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